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Die Berliner Märchentage 2017

Märchen sind eines unserer Verlags-Spezialgebiete. Nicht unbedingt die traditionellen Märchen, wir haben uns darauf verlegt, diese Mächen neu zu erzählen. Über hundert Autoren sind bereits an diesem Projekt beteiligt. In diesem Raum unseres Lesesaals bekommen Sie während der Berliner Märchentage 2017 einiges zum Thema Märchen zu sehen und zu lesen. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
P.S.: Die Inhalte werden nach dem Ende der Märchentage natürlich nicht einfach verschwinden. Wir werden sie noch eine ganze Weile danach online für Sie vorrätig halten.
Und wenn Sie die Märchentage direkt online besuchen wollen, finden Sie sie hier.

Tag 11 der 18 Märchentage

Schneewittchen-Rose

Schneewittchen-Rose

Eine Kordes-Züchtung von 1958 ist die Rose "Schneewittchen". Aufgenommen habe ich sie im eigenen Garten. Eine jener Rosen, die ich liebe, weil sie wenig Stacheln hat, an denen man bei der Gartenarbeit hängenbleiben kann. Und für ein so altes Mädchen sieht sie noch verdammt jung aus.

Und wie man sieht: Die Rose passt ausgezeichnet zu der jungen Dame!

Schneewittchen-Rose

Außer natürlich, dass die Rosendame hinter den Sieben Bergen ganz offensichtlich eine hochgradige Apfel-Allergie hat. Wussten Sie, dass Rosen und Äpfel verwandt sind? Äpfel gehören tatsächlich zu den Rosengewächsen (Rosaceae). Und – sie sind tatsächlich giftig. Ein bisschen jedenfalls. Apfelkerne enthalten Spuren der hochgiftigen Blausäure, das, was auch die Bittermandeln giftig macht. Allerdings müssten Sie schon kiloweise Apfelkerne in sehr kurzer Zeit vertilgen, um sich tatsächlich damit zu vergiften. Unser Körper schafft es bei kleinen Mengen problemlos, die Blausäure sofort in der Leber unschädlich zu machen.

Tag 10 der 18 Märchentage

Wallpaper "Centaurenliebe"

Wallpaper Centaurenliebe

Und ein weiteres Wallpaper zum Thema der diesjährigen Berliner Märchentage: "Die Liebe ist eine Himmelsmacht".

Auch Centauren verlieben sich, und wie bei Menschen sind auch hier die Jugendlichen besonders von dieser Gefühlsaufwallung betroffen. Hormone, Hormone, Hormone ...

Wallpaper für PC, Tablet, Android und iphone, in den gängigsten Auflösungen, für Sie als Download. Das Bild ist verlagseigene Produktion. Zur freien Verwendung, solange Sie die Bilder nicht kommerziell nutzen.

Wallpaper-Download-Links

Leider können wir diese Wallpaper nur für die gängigsten Bildschirmgrößen anbieten. Ich hoffe, Sie finden etwas Passendes.

PC und Tablet:  1600x12001366x768, 1920x1080

Android:   360x640 (1080x1920)

iphone:  414x735 (1242x2208), 375x667 (750x1334) 320x568 (640x1336)

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Centaurenliebe

Tag 9 der 18 Märchentage

Dornröschenschloss Sababurg-Rose

Dornröschenschloss Sababurg-Rose

Eine Kordes-Züchtung von 1993 ist die Rose "Dornröschenschloss Sababurg". Auch dieses Bild gebrauche ich mit freundlicher Genehmigung des Züchters

Die Burg gibt es natürlich. Sie liegt mitten in Nordhessen, der Heimat der Grimms, und hat einige Attraktionen zu bieten. Ferienlandschaft mit Urwald und Tierpark. Märchenhaft.

Unsere Variante:

Rosenhecken-Karte

Eine "Fee 13" -Rose gibt es bislang noch nicht. Vielleicht ist das ja eine Anregung für die Züchter.

Bis dahin jedoch können Sie "Fee 13" nur als Klappkarte im Machandel-Verlag erwerben (1,50 Euro/Stück, mit Briefumschlag)

Und damit ihnen die Zeit bis zu dieser Züchtung nicht zu lang wird, gibt es hier noch ein Märchen.

 

Danach

Mira Draken

 

"100 Jahre sind eine verdammt lange Zeit", dachte der Königssohn, als er vor den armdicken Dornenstämmen stand. Zumindest hatten sie gereicht, das ganze Schloss in einem Rosendickicht verschwinden zu lassen. Falls tatsächlich in diesem grünen Klumpen noch ein Schloß steckte. Er war sich da nicht so sicher. Höhere Idiotie, das Ganze. Er bereute bereits, sich auf die Wette eingelassen zu haben. Na ja, mit zwei Flaschen Branntwein im Blut hatte er halt nicht mehr klar denken können.
Den alten Landkarten nach sollte hier in früheren Zeiten das Schloß Rosenau gestanden haben. Die berühmten Rosengärten von Rosenau hatte Königin Rosa die Sanftmütige seinerzeit von dem berühmten Gartenarchitekten Theodor Hagebutt anlegen lassen. Nach einem Rosengarten sah das hier allerdings nicht aus. Eher nach einem Dschungel.
Ohnehin war das Ganze ein schlechter Witz. Eine Königstochter, die von einem Fluch 100 Jahre schlafen gelegt worden war. Mitsamt dem ganzen Schloß und allem Drum und Dran. Natürlich hatten die abergläubischen Bauerndeppen der Umgebung das geglaubt, und über die vergangenen 100 Jahre hatte immer wieder der eine oder andere junge Abenteuerer versucht, in das Schloß einzudringen. Außer zerfetzten Hosen und zerstochenen Gesichtern hatte jedoch keiner etwas davon gehabt. Und jetzt mußte er aufgrund seiner dämlichen Wette in diesen aufgeblasenen Rosenbusch eindringen.
Unentschlossen stocherte er mit dem Schwert in den dünnen Blütenranken herum. Prompt federte einer der elastischen Zweige zurück und schlug ihm quer über das Gesicht. Das würde eine schöne Kratzspur geben! Wütend hackte er den Zweig ab, und weil er schon gerade so herrlich wütend war, hackte er weiter. Zweige, Blätter und rosige Blüten wirbelten in allen Richtungen davon. Sein Pferd zog sich vorsichtshalber ein paar Schritte zurück und schnaubte vorwurfsvoll.
Tok - das Schwert hatte sich in einem der dicken Stämme festgefressen. Mit einem wenig salonfähigen Fluch hebelte er es wieder heraus. Mit düsterer Miene konstatierte er, das seine nagelneue Solnhofner Klinge eine dicke Scharte aufwies. Das Schwert hatte ihn 800 Taler gekostet, und jetzt war es hinüber. Die Wette kam ihn bereits teuer zu stehen.
"Na schön, ruiniert ist es ohnehin, also mache ich weiter" dachte er und hackte wieder drauflos. Diesmal etwas vorsichtiger. Die dicken Stämme kriegte er ja ohnehin nicht klein, da säbelte er nur vorsichtig die Dornen herrunter. Einen Meter tief im Dickicht säbelte er dann nur noch, es war einfach kein Platz mehr für Schwertschwünge.
Und dann erreichte er die Mauer. Festgefügte, meterdicke Quader. Sein erster Gedanke "...da steckt tatsächlich ein Schloß drin !". Sein zweiter :" Scheiße, wo ist das Tor?" Also wieder raus aus dem Dickicht. Seine Stimmung war mittlerweile auf dem Nullpunkt. Nur der Gedanke an das hämische Grinsen seiner Zechkumpane hielt ihn davon ab, der ganzen Misere den Rücken zu kehren.
Noch mal von vorne, und diesmal strategisch gedacht. Logischerweise sollte das Tor dort sein, wo der Weg hinführte. Also rauf aufs Pferd und einen kleinen Ritt um das Rosendickicht gemacht. Tatsächlich fiel ihm eine Stelle auf, an der das Gras sehr dürr wirkte. Näheres Hinsehen förderte einige Pflastersteine im Gras zutage. Und das keine 20 Meter von der Stelle, an der er seinen erste Versuch gemacht hatte. Mit knirschenden Zähnen packte er sein Schwert und begann, eine neue Bresche in die Rosenmauer zu schlagen.
Bis er das Tor erreichte, war er schweißgebadet. Immerhin hatte sich jetzt auch der letzte Rest von Alkoholdunst aus seinem Gehirn verzogen. Wenigstens stand das Tor offen. Es hätte ihm gerade noch gefehlt, vor einem massiven Eisengitter zu landen. Mißtrauisch beäugte er die rostigen Spitzen, die oben aus der Decke sahen. Die würden wohl nicht gleich herunterfallen. Schlösser werden bekanntlich für die Ewigkeit gebaut.
In den Schloßhof hatte sich noch keine Rose verirrt. Dafür lag jede Menge Taubendreck auf dem Pflaster. Erst die Scharte im Schwert, und jetzt ruinierte er sich auch noch seine teuren Maßstiefel. Vorsichtig bewegte er sich zum Stall. In den spinnwebverhangenen Boxen lagen Pferdeskelette. Der Eingang zur Küche war gleich nebenan. Die halbverrottete Holztür bot keinen Widerstand, als sein Stiefel dagegen krachte. Auch hier nur Skelette. Der Koch, noch erkennbar an seiner schimmeligen Mütze, lag neben dem Herd, das Skelett daneben konnte nur der Küchenjunge sein.
Von wegen 100 Jahre Schlaf. Eigentlich ganz logisch- ohne tiefgefrieren ist wohl kein Schläfer solange haltbar.
Vorsichtig wanderte er weiter durchs Schloß. Überall dasselbe Bild, Skelette grinsten ihn höhnisch an. Weit und breit keine Königstochter zu sehen- nicht daß er auch nur die geringste Ahnung hätte, wie sich ein weibliches Skelett von einem männlichen unterschied. Den König erkannte er nur an seiner Krone. Das Skelett auf den Thron daneben trug ein umfangreiches Schlüsselbund an einem goldenen Gürtel. Er schnappte sich sofort die Schlüssel. Das war endlich mal ein lohnendes Ergebnis.
Und wirklich, nicht nur die Schatzkammer war gut gefüllt, sondern auch der Weinkeller. Grinsend saß er vor den vollen Fässern, in der einen Hand einen großen Beutel Gold und Edelsteine, in der anderen einen rubinroten Glaspokal mit 120 Jahre altem, gut abgelagertem Rotwein.
Jetzt fehlte ihm zu seinem Glück nur noch eine passende Braut, dann war er ein gemachter Mann. Er beschloß, auf dem Rückweg Lisette zu fragen. Die hübsche Kellnerin aus dem Gasthof zur Rose war ihm gegenüber immer freizügig mit ihren Reizen gewesen. Außerdem besaß sie mehr Verstand als die ganzen adeligen Hofhühner zusammen. Für Gold und Edelsteine ließ sich jede Frau königlich ausstatten, und einen passenden Adelstitel konnte er zur Not über ebay kaufen. Lisette würde seinen Eltern sicher gefallen. Seinen Vater auf jeden Fall. Und seine Mutter würde bei einer kleinen Demonstration seiner neuen Reichtümer auch keine Einwände mehr finden.
Als er hinausging, nahm er dem skelettenen König noch schnell die verstaubte Krone ab und setzte sie auf sein Haupt. Schließlich mußte er seinen Wettkumpanen doch einen Beweis für seinen Erfolg mitbringen.

 

Tag 8 der 18 Märchentage

Aschenputtel-Ultrakurz

Aschenputtel-QR-Code

In der Kürze liegt die Würze ...

... das wusste schon Aschenputtel, als ihr die Tauben in kürzester Zeit die Erbsen aus der Asche gepickt hatten.

Und der Prinz traf eine gute Wahl ....

Gute Wahl

Manchmal spielen eben praktische Erwägungen durchaus eine Rolle. Wie zum Beispiel der Duft dieser herrlichen Erbsensuppe. Liebe geht tatsächlich durch den Magen. das hatte schon Aschenputtels verstorbene Mutter immer gesagt, und ihrer Tochter deshalb ihre besten Kochrezepte hinterlassen.

Der Prinz wurde im Laufe der Jahre kugelrund. Seine Untertanen schätzten ihn sehr, denn er war viel zu zufrieden,um sie mit so unsinnigen Dingen wie Steuererhöhungen oder Kriegen zu ärgern. Und wenn Aschenputtel und er nicht gestorben sind ...

... dann speisen sie noch heute gemeinsam und füttern sich gegenseitig mit Leckerbissen, glücklich wie die Turteltäubchen.

Tag 7 der 18 Märchentage

Cinderella-Rose

Cinderella-Rose

Cinderella ist Aschenputtel, natürlich. Und die Rose zeigt Aschenputtel auf dem Ball, gehüllt in rosa Samt ...

Strauchrose Cinderella gehört zu den offiziellen Märchenrosen und wurde 2003 von Kordes gezüchtet. Wie jede wohlriechend parfümierte Prinzessin duftet sie auch.

Allerdings hatte Cinderella ein Problem ...

Cinderellas Problem

Naja. Auch Prinzen sind nicht perfekt, dachte sie und lief weiter.

Tag 6 der 18 Märchentage

Rapunzel-Irrtum

Rapunzel-Irrtum

Dummerweise hatte der Prinz nicht gemerkt, dass Rapunzel längst ausgeflogen war. Der alte Turmwächter seinerseits hatte nichts dagegen, auf diese Wiese ein wenig Gesellschaft zu bekommen, auch wenn er den bartlosen Jüngling zunächst etwas befremdlich fand.

Derweilen bei Rapunzel ...

Rapunzel allein

Nicht einmal bei Disney konnte sie so arbeiten, geschweige denn ein Date finden.

Von Liebe weit und breit keine Spur, auch wenn sie noch so viele Tage im Park saß und wartete. Rapunzel beschloss, sich umgehend die Haare wieder wachsen zu lassen und es dann bei Parship zu versuchen, Irgendwo musste sie doch die Liebe ihres Lebens finden - und in mehr als nur in der Gestalt eines bubihaften Prinzen.

Tag 5 der 18 Märchentage

Mermaid-Rose

Mermaid-Rose

Weiter geht es mit den märchenhaften Rosen. Die Kletterrose "Mermaid" ist nur wenig jünger als das Märchen von der kleinen Seejungfrau. 1878 wurde diese Rose gezüchtet, und das sie sich bis heute in den Gärten hält, zeugt wohl sehr eindeutig von Qualität. Sie kann bis zu 9 Meter hoch in die Bäume klimmen, duftet ein wenig und blüht, ungewöhnlich für ältere Rosenarten, mehrere Male im Jahr. Auch dieses Bild konnte ich in der Moorbaumschule Vennegerts in Georgsdorf aufnehmen.

Die kleine Meerjungfrau hat Hans Christian Andersen übrigens 1837 geschrieben.

Lesefutter mit Fischeinlage bis zum 25.11.

Andersens Märchen Update 1.2

Von heute an bis zum Ende der Märchentage wird es das Ebook "Andersens Märchen Update 1.2 - Meerjungfrauen auf Abwegen und andere Katastrophen" als Gratis-Download geben. Theoretisch in allen Webshops, von Amazon über Thalia und Weltbild bis ...

Falls Sie dieses kleine Märchenbuch mit 5 Kurzgeschichten moderner Fassungen von Andersens Märchen jedoch dort nicht finden (oder nur gegen Geld und Gold), können Sie sich das Büchlein auch hier herunterladen.

Tolino-Version (epub)      Kindle-Version (mobi)

Bis zum 25. November einschließlich.

Tag 4 der 18 Märchentage

Rotkäppchen-QR-Code

Rotkäppchen-QR-Code

Für diejenigen unter Ihnen, die wenig Zeit haben, gibt es heute eine Ultrakurzfassung des bekannten Märchens als QR-Code. Smartphone-Kamera drüberhalten, Foto machen, lesen.

Oder sie nehmen die Bilddatei und legen sie einem der QR-Code-Reader im Internet vor.

Aller guten Rotkäppchen sind vier ...

Verliebter Wolf

Nein, dies ist nicht die Bildversion des QR-Codes. Dieses ist noch eine weitere alternative Fassung des bekannten Märchens. Der Wolf ist wirklich, wirklich, wirlkich verliebt. Nur dass die größte Himmelsmacht Liebe leider nur dann tatsächlich funktioniert, wenn sie erwidert wird.

Tag 3 der 18 Märchentage

Märchenrose "Rotkäppchen"

Rotkäppchen-Rose, Bild-Copyright Züchter Kordes

"Rotkäppchen" ist eine weitere Züchtung vom Rosenzüchter Kordes, eine robuste, reichblühende, gefüllte Beetrose. Das Bild stellte mir die Firma Kordes freundlicherweise zur Verfügung.

Nun, nicht nur die Rose ist robust. Rotkäppchen war es wohl auch, immerhin hat sie ein Salzsäurebad im Magen des Wolfes unbeschadet überstanden, nachdem der sie zum Vernaschen gerne hatte. Dafür hat der Wolf Pech gehabt und sich eine Kugel eingefangen. Und sein Pelz verziert jetzt die Hütte des Jägers.

Vielleicht hätte er daran denken sollen, dass Rot immer auch ein Gefahrensignal ist. Ein junges Mädchen, alleine in gefährlicher Umgebung, scheinbar schutzlos, naiv, nichtsahnend, verführbar?

Er hätte sich besser an die Entenjagd letzten Winter erinnert. Und an die Lockvögel, die der Jäger auf dem künstlichen Teich hinter Großmutters Hütte immer eingesetzt hat.

 

Rotkäppchen ist nicht gleich Rotkäppchen

Rotkäppchen-Karte

Einmal abgesehen davon, dass diese Märchen älter ist als die Grimmsche Märchen-Sammlung, und zudem in verschiedensten Fassungen quer über die Welt verbreitet wurde: Wussten Sie, dass es bei den Grimm-Brüdern ursprünglich zwei verschiedene Fassungen von Rotkäppchen gab?

Einmal die bekannte, in der Rotkäppchen vom Wolf gefressen wird und der Jäger sie anschließend rettet. Und einmal diese (gefunden bei Grimmstories):

Es wird auch erzählt, dass einmal, als Rotkäppchen der alten Großmutter wieder Gebackenes brachte, ein anderer Wolf es angesprochen und vom Wege habe ableiten wollen. Rotkäppchen aber hütete sich und ging geradefort seines Wegs und sagte der Großmutter, dass es dem Wolf begegnet wäre, der ihm guten Tag gewünscht, aber so bös aus den Augen geguckt hätte: "Wenn's nicht auf offener Straße gewesen wäre, er hätte mich gefressen." - "Komm," sagte die Großmutter, "wir wollen die Türe verschließen, dass er nicht hereinkann." Bald danach klopfte der Wolf an und rief: "Mach auf, Großmutter, ich bin das Rotkäppchen, ich bring dir Gebackenes." Sie schwiegen aber und machten die Türe nicht auf. Da schlich der Graukopf etlichemal um das Haus, sprang endlich aufs Dach und wollte warten, bis Rotkäppchen abends nach Hause ginge, dann wollte er ihm nachschleichen und wollt's in der Dunkelheit fressen. Aber die Großmutter merkte, was er im Sinne hatte. Nun stand vor dem Haus ein großer Steintrog, Da sprach sie zu dem Kind: "Nimm den Eimer, Rotkäppchen, gestern hab ich Würste gekocht, da trag das Wasser, worin sie gekocht sind, in den Trog!" Rotkäppchen trug so lange, bis der große, große Trog ganz voll war. Da stieg der Geruch von den Würsten dem Wolf in die Nase. Er schnupperte und guckte hinab, endlich machte er den Hals so lang, dass er sich nicht mehr halten konnte, und anfing zu rutschen; so rutschte er vom Dach herab, gerade in den großen Trog hinein und ertrank. Rotkäppchen aber ging fröhlich nach Haus, und von nun an tat ihm niemand mehr etwas zuleide.

Diese zweite Fassung verschwand in den späteren Auflagen der Grimm-Märchen spurlos. Wahrscheinlich, weil die erste Fassung irgendwie spannender und gleichzeitig moralischer ist, schildert sie doch nach allgemeiner Meinung die sexuelle Verführung eines jungfräulichen Mädchens durch einen (bösen) Mann. Was nicht Liebe, sondern wohl eher ihre Kehrseite ist.

Falls Ihnen als dritte Variante die Briefkarte oben besser gefällt als die Original-Fassungen: Diese Karte können Sie für 1,50 Euro beim Machandel Verlag bekommen.

Tag 2 der 18 Märchentage

Wallpaper "Himmelmacht"

Wallpaper Himmelsmacht

Sie haben es sicher gelesen: Das Motto der diesjährigen Berliner Märchentage lautet: "Die Liebe ist eine Himmelsmacht".

Passend dazu wollte ich ein Wallpaper erstellen. Hm. Kitschige rote Liebes-Herzen? Abgelehnt. Schließlich verlegt der Machandel-Verlag neben den Märchen keine Liebesromane, sondern Fantasy. Also der zweite Bestandteil des Mottos: die Himmelsmacht. Und ein herrlich fantasy-mäßiges Himmelswesen ist in chinesischen Märchen der Drache.  Das also ist heute Thema.

Wallpaer für PC, Tablet, Android und iphone, in den gängigsten Auflösungen, für Sie als Download. Der Sternen-Hintergrund stammt von der NASA und ist gemeinfrei, der Drache ist verlagseigene Produktion. Zur freien Verwendung, solange Sie die Bilder nicht kommerziell nutzen.

Wallpaper-Download-Links

Leider können wir diese Wallpaper nur für die gängigsten Bildschirmgrößen anbieten. Ich hoffe, Sie finden etwas Passendes.

PC und Tablet:  1600x12001366x768, 1920x1080

Android:   360x640 (1080x1920)

iphone:  414x735 (1242x2208), 375x667 (750x1334) 320x568 (640x1336)

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Himmelsdrache

Tag 1 der 18 Märchentage

Märchenrose "Gebrüder-Grimm"

Gebrüder-Grimm-Rose

"Gebrüder Grimm" ist eine ARD-prämierte, zweifarbige Beetrose, Züchter Kordes, robust, öfterblühend und märchenhaft zweifarbig. Dieses Bild habe ich vor ein paar Jahren in der Moorbaumschule Vennegerts in Georgsdorf aufgenommen.


Was kommt Ihnen in den Sinn, wenn Sie das Wort "Märchen" hören? Vermutlich eines jener Märchen, die von den Brüdern Grimm gesammelt, aufbereitet und veröffentlicht wurden. Die Brüder Grimm sind, zumindest in Deutschland, ein Synonym für Märchen geworden. Und so wurden sie nicht nur in Märchentagen, Straßennamen und Büchern verweigt, es ist auch eine Rose nach ihnen benannt worden. Die "Gebrüder Grimm"-Rose.
Die Rose steht für Liebe. Allerdings auch, dank der Dornen, für Leid. Und es ist eine Pflanze, die in Märchen eine wichtige Rolle spielt. Sei es im Rosenelf aus der Andersen-Märchensammlung, dem Märchen von der Nachtigall und der Rose von Oscar Wilde, der Rosenkönigin von Ludwig Bechstein oder, bei den Grimms, in den Märchen Dornröschen, Schneeweißchen und Rosenrot, oder in dem plattdeutschen Kurzmärchen "Die Rose".
Liebe und Leid stehen auch im Märchen so eng beisammen wie Rosenblüten und Dornen.

Die Rose
Et was mal eine arme Frugge, de hadde twei Kinner; dat jungeste moste olle Dage in en Wald gohn un langen Holt. Asset nu mal ganz wiet söken geit, kam so en klein Kind, dat was awerst ganz wacker to em un holp flietig Holt lesen un drog et auck bis für dat Hus; dann was et awerst, eh en Augenschlägsken vergienk, verswunnen. Dat Kind vertelde et siner Moder, de wul et awerst nig glöven. Up et lest brochte et en Rause mit un vertelde, dat schöne Kind hädde em deise Rause gieven und hädde em sägt, wenn de Rause upblöhet wär, dann wull et wier kommen. De Moder stellde dei Rause in't Water. Einen Morgen kam dat Kind gar nig ut dem Bedde, de Moder gink to dem Bedde hen un fund dat Kind daude; et lag awerst ganz anmotik. Un de Rause was den sulftigen Morgen upblöhet.

Für diejenigen, die im Plattdeutschen nicht ganz sattelfest sind:

Es war einmal eine arme Frau, die hatte zwei Kinder. Das Jüngste musste alle Tage in den Wald gehen, um Holz zu holen. Eines Tages war es besonders weit gegangen. Da begegnete ihm ein kleines Kind, das ihm ganz artig und emsig Holz lesen half und es auch mit ihm bis nach Hause brachte. Dort verschwand es von einem Lidschlag zum nächsten.
Das Kind erzählte seiner Mutter davon, aber die wollte ihm keinen Glauben schenken.
Da brachte das Kind aus dem Wald eine Rose mit und erzählte, das schöne fremde Kind habe ihm diese gegeben und gesagt, wenn die Rose aufblühe, würde es zurückkommen.
Die Mutter stellte die Rose ins Wasser.
Eines Morgens wollte das Kind nicht aus dem Bette kommen, und als die Mutter nachsehen ging, da fand sie ihr Kind tot im Bettchen liegen, selbst jetzt noch anmutig anzusehen. Und gerade an diesem Morgen war die Rose erblüht.

Schneeweißchen und Rosenrot (Update)

Diese Märchentage sollen die Märchen auch in neuer Form zeigen! Deshalb lesen Sie hier aus dem Buch "Grimms Märchen Update 1.1 Froschkönig ungeküsst" eine aktuelle Neufassung von "Schneeweißchen und Rosenrot" als Leseprobe.

Schneeweißchen und Rosenrot

Autorin Ruth Kornberger

Königssöhne! Sie sind die Schlimmsten, das wird jeder Lehrer bestätigen. Seit ich die Stellung am Hof angenommen hatte, graute mir vor dem mündlichen Bericht, mit dem ich den König jeden Herbst über die Fortschritte seines Ältesten informieren sollte. Seine Majestät wusste, warum er kein schriftliches Zeugnis wünschte. Der Prinz war dumm, faul und verlogen. Pläne für Missetaten wucherten in seinem Hirn wie Schimmelpilze.

Ich stand vor dem König und kämpfte mit der Spitze meines Bartes, die sich um meine Finger geknotet hatte. Meine einst seidigen Kinnhaare waren vom Stress mit dem Herrschernachwuchs so klettig geworden, dass alles darin hängen blieb. Nach Spaziergängen glich mein Bart einem verfilzten Zopf Schafswolle, den jemand über den Waldboden geschleift hatte.
„Verehrter Herrscher“, sprach ich. „Der Prinz war leider auch dieses Jahr nicht in der Laune zu lernen.“
„Donnerwetter!“, grollte der König. „Da gebe ich einen Haufen Gold für Euch Zwerg aus, und womit dankt es der Junge?“
„Nun“, sprach ich. „Euer Sohn erfindet gern Geschichten, das kann er. Jedoch Rechnen, Tierkunde und die Historie Eures Reichs interessieren ihn nicht.“
Der König grunzte verärgert. Er nahm seine Krone vom Kopf und säuberte mit einem Zacken davon seine Fingernägel.
„Was schlagt Ihr vor, Zwerg?“
„Ich hörte, ein Aufenthalt in der Wildnis soll bei Jünglingen, wie Ihr Sohn einer ist, Wunder tun.“
„Er soll die Härte des Lebens erfahren?“
„Das könnte hilfreich sein.“
„Aber der Wald ist gefährlich.“
„Wir könnten ihn zu seinem Schutz in ein Tier verwandeln, zum Beispiel in einen Wolf.“
„In einen Wolf? Ausgeschlossen! Der Stand meines Sohnes verlangt nach gebieterischer Gestalt. Macht einen Bären aus ihm.“
„Aber Bären halten Winterschlaf. Ihr Sohn würde sich eine Höhle suchen und sie erst im Frühling wieder verlassen. Damit hätte er die kalten Monate verpasst und der Erziehungseffekt wäre verloren.“
„Ach“, der König setzte seine Krone wieder auf. Wie sein Sohn verabscheute er es, wenn die Dinge kompliziert wurden. „Dann sorgt ihr eben dafür, dass er wach bleibt.“

Der Zauberer kam gleich am nächsten Morgen in den Palast. Er verwickelte den Prinzen in eine Unterhaltung über die Vorzüge der neuen Küchenmagd und nahm wie nebenbei die Verwandlung vor.
„Reizen Sie ihren Zögling nicht“, riet er mir. „Er wird seine neuen Kräfte unterschätzen.“
Ich versprach, vorsichtig zu sein, und den Bärenprinzen nicht aus den Augen zu lassen. Allerdings bemerkte ich in dessen Verhalten kaum einen Unterschied. Die Lieblingsbeschäftigungen des Prinzen blieben die gleichen. Entweder er kickte einen Ball durch den Hofgarten oder er lungerte in den Salons herum und pulte die Füllungen aus den Samtsofas. Und was die Tischmanieren betraf, die waren schon vorher eine Katastrophe gewesen.

Beim nächsten Vollmond unternahmen der Prinz und ich eine Nachtwanderung. Ich hatte eine Höhle entdeckt, die trocken war, und in deren Umkreis es Eichhörnchen und gut genährte Igel in leicht zugänglichen Verstecken gab. Hier würde der Prinz weder erfrieren noch verhungern.
Im Eingang zur Höhle gab ich ihm einen Schubs und machte mich aus dem Staub. Der König hatte mir auferlegt, täglich nach seinem Sohn zu sehen. Dafür bezog ich weiterhin das volle Gehalt. In den ersten beiden Tagen beobachtete ich aus der Ferne, wie der Prinz umherstapfte und ungeschickt nach Vögeln schlug. Die fetten Igel schien er nicht zu riechen und die Eichhörnchen schaukelten unerreichbar in den Wipfeln der Bäume und lachten sich in die Pfötchen.
Am dritten Tag hatte der Prinz aufgegeben. Ich fand ihn schlafend in der Höhle. Schnarchen konnte er wie ein echter Bär. Drei Stöckchen brachen ab, bis ich ihn wachgepikst hatte, und auch dann wollte er immer wieder wegnicken. Ich drangsalierte ihn, bis er schwerfällig aufstand und aus der Höhle torkelte. Draußen irrte er durch die Bäume und schwang seine Tatzen wütend durch die Luft. Ich muss ihm sehr weit gefolgt sein, denn die Behausung, an die wir dann kamen, hatte ich auf meinen Erkundungsgängen nie gesehen. Es war eine bescheidene Hütte, mit dünnen Holzwänden und einem Moosvorhang als Tür. Der Bär brüllte und trat gegen die Wand. Mein Zwergenherz raste. Ich war unbewaffnet und hätte auch nicht gewusst, wer vor wem zu beschützen sei. Der Prinz war gereizt, aber die Bewohner möglicherweise wehrhaft. Hinter einem Busch versteckt, beobachtete ich, wie der Moosvorhang gelüftet und der Bär eingelassen wurde. Nachdem einige Zeit lang kein bedrohlicher Laut an meine Ohren gedrungen waren, wagte ich, durch das Fenster zu spähen. Mir bot sich ein Anblick, mit dem ich nicht gerechnet hatte.

„Das war wohl nichts“, berichtete ich am nächsten Tag dem König, der gerade ein Rosenöl-Fußbad nahm. „Euer Sohn hat gutmütige Menschen gefunden, die ihn vor ihrem Kamin schlafen lassen, eine Frau und ihre zwei Töchter. Die Mädchen haben dem Prinzen ausgiebig das Fell gekrault. Ich wette, er verbringt dort nun jede Nacht.“
„Was schlägst du also vor, Zwerg?“
„Was ich vorschlage? Ich bin Lehrer, kein Tierpfleger. Wie soll ich einen ausgewachsenen Bären davon abhalten, seine lieblichen neuen Freundinnen zu besuchen? Wir können nur warten, bis im Frühling die Kraft der Verwünschung nachlässt und der Prinz wieder zum Menschen wird.“
„Gut, aber Ihr passt weiter auf ihn auf. Ich weiß, das entspricht nicht Eurer Qualifikation, doch Gold hat noch jeden überzeugt, oder, Zwerg? Geht in die Schatzkammer und sucht Euch etwas Schönes aus.“
Der König wackelte mit seinen großen Zehen. Die Audienz war beendet.

Dieser Winter wurde der ungemütlichste meines Lebens. Bei Tage saß ich in einem windschiefen Baumhaus gegenüber der Höhle, in der der Prinz herumlungerte, bei Anbruch der Dunkelheit schlich ich ihm hinterher und harrte in einem noch windschieferen Baumhaus aus, bis er am Morgen die Hütte wieder verließ. Immerhin war ich nun wohlhabend. An meinen Fingern prangten Ringe, um meinen Hals funkelten Geschmeide.
Mit dem Aufbrechen der ersten Knospen begab ich mich in die Höhle, um ein ernstes Gespräch mit dem Prinzen zu führen.
„Eure Besuche bei den Damen müsst Ihr nun einstellen“, sagte ich. „Ihr wisst, Ihr seid kein echter Bär, sondern ein Blaublüter mit Verpflichtungen. Bald werdet Ihr die tierische Gestalt verlieren. Dann wünscht Euch Euer Vater an den Hof zurück.“
„Wie soll ich das den Mädchen erklären?“, jammerte der Prinz. „Schneeweißchen liebt mich von ganzem Herzen, und auch ihre scheue Schwester Rosenrot hat endlich Zutrauen zu mir gefasst.“
„Denkt Euch etwas aus. An Fantasie hat es Euch noch nie gemangelt.“
Mit diesen Worten wandte ich mich zum Gehen. Ein Ruck an der Kehle hielt mich auf.
„Wie kommt Ihr an das Medaillon meiner Großmutter?“, brummte der Prinz.
Ich befreite den Schmuck aus seinen ungelenken Tatzen.
„Das habe ich mir sauer verdient.“

Am Abend dieses Tages hatte ich das Ende meines Lebens in der Wildnis feiern wollen. Aber dann trieb mich die Neugier ein letztes Mal hinter dem Prinzen her zum Haus der Schwestern. Ich wollte unbedingt wissen, wie er seinen Abschied erklärte. Was ich durch das Fenster hörte, rollte mir den Bart auf wie ein Schweineschwänzchen. Der Prinz fabulierte von einem bösen Zwerg, der im Frühling aus der auftauenden Erde emporstiege, um die Schätze des Königreiches zu stehlen. Er, der Bär, müsse ihn davon abhalten und sei deshalb für die nächste Zeit verhindert.
Ich schnaubte empört, machte auf den Hacken kehrt und stampfte zur Dorfschenke. Nur der besänftigenden Wirkung des Honigweins, mit dem mich die Wirtin bis zum Scheitel abfüllte, ist zu verdanken, dass ich nichts kaputt schlug.

An dieser Stelle könnte die Geschichte zu Ende sein. Oh, wäre ich froh, wenn sie es wäre! Doch das Schlimmste kam erst noch. Schneeweißchen und Rosenrot, ihrer zotteligen Gesellschaft beraubt, streunten gelangweilt im Wald umher. Es kam, wie es kommen musste: eines Tages begegneten wir uns.
Ich befand mich in einer misslichen Lage. Beim Spalten eines Baumes, den ich zu Feuerscheiten verarbeiten wollte, hatte ich mir die Bartspitze im Holz eingeklemmt.
Da die Mädchen schon einmal da waren, bat ich sie um Hilfe. Zuerst redeten sie dumm daher und lachten, dann zupften sie halbherzig an mir, und schließlich fiel ihnen keine andere Lösung ein, als meine Bartspitze abzuschneiden.
Der Bart ist für einen Zwerg von großer Bedeutung, wir speichern in ihm unser Wissen. Den wenigsten Leuten ist das bekannt – aus gutem Grund. Wüssten die frechen Schüler, wie einfach sie uns unserer Weisheit berauben könnten, wären schon alle Zwerge dieser Erde im Schlaf kahl rasiert worden.
Ich hatte zwar nur wenige Zentimeter eingebüßt, aber in der Spitze steckten meine mathematischen Fähigkeiten. Ohne diese konnte mich jeder Krämer über den Tisch ziehen. Schimpfend schnappte ich den Beutel, in den ich vor den Baumarbeiten meinen Schmuck gesteckt hatte, und machte mich aus dem Staub.
Vom König forderte ich Schadensersatz, schließlich war an meinem Unglück indirekt sein Sohn schuld. Ohne ihn wären Schneeweißchen und Rosenrot schon an entfernte Orte verheiratet worden. Der König, der gerade eine Gesichtsmaske genoss, hörte meine Schilderung gelangweilt an und winkte mich weiter zur Schatzkammer.

Meine Hoffnung, die Schwestern nach diesem Erlebnis nie wieder sehen zu müssen, wurde enttäuscht. Ich angelte friedlich am Bach, als ein dunkler und ein heller Haarschopf durch das Dickicht schimmerten. Vor Schreck machte ich eine unbedachte Bewegung, und mein Bart verhedderte sich in der Angelschnur. Ausgerechnet in diesem Moment biss ein riesiger Fisch an. Beinahe wurde ich von ihm ins Wasser gezogen. Die Mädchen waren gleich bei mir und stellten sich noch ungeschickter an, als beim letzten Mal. Schnipp, der restliche Bart musste daran glauben.
Den Tränen nahe griff ich das Perlensäckchen, mit welchem ich für das erste Bartstutzen entschädigt worden war, und stolperte zum Palast.

All mein Wissen war fort, meinen Beruf als Lehrer konnte ich nicht mehr ausüben. Der König sah ein, dass er dafür tief in die Tasche greifen musste. Ein Säckchen Edelsteine war nur angemessen.
Ich wischte mir über die Augen, dankte und begab mich in die Stadt, wo ich einen Mantel aus feinstem Stoff erstand, der meine zerschlissene und noch immer nach Bär stinkende Jacke ersetzte. Auf dem Rückweg führte ich diesen meinem Freund dem Adler vor, der auf einem Felsen sein Federkleid putzte.
„Ausgesprochen kleidsam, er macht dich zehn Jahre jünger“, befand er.
„Nicht der Mantel macht das, sondern der fehlende Bart“, sprach ich traurig.
„Lass den Kopf nicht hängen, dafür bist du nun reich und funkelst aus allen Knopflöchern. Ich sollte dich mit nach Hause nehmen und für schlechte Zeiten unter die Matratze legen.“
Er krallte sich in meine Schultern und wir balgten scherzhaft.
Doch wer kam just in diesem Moment des Weges? Die unseligen Schwestern! Sie glaubten, mich vor dem Adler retten zu müssen, zerrten an mir und zerrissen dabei den neuen Mantel. Ich brüllte vor Zorn und verzog mich mit meinen Edelsteinen unter den Felsen. Andernfalls hätte ich mich zu einer Gewalttat hinreißen lassen. Es brauchte mehrere Stunden, bis ich mich beruhigt hatte.
„Du hast immer noch ein hübsches Vermögen“, sagte ich zu mir selbst. „Zähle deine Schätze und überlege, was du damit anfangen willst.“
Auf meinem beschädigten Mantel sortierte ich die Steinchen. Es waren genug, um in ein Land auszuwandern, in dem es weder lernunwillige Adlige noch hysterische Weibsbilder gab.
Als wäre dieser Gedanke ihr Stichwort, standen plötzlich erneut die Mädchen vor mir. Sie waren auch in der Stadt gewesen, knabberten an Zuckerstangen und beglotzten meine Edelsteine.
„Was steht ihr da und haltet Maulaffen feil!“, rief ich, und bedachte sie mit wüsten Beschimpfungen. Die beiden blinzelten nur blöde. Ich war kurz davor, die Hand gegen sie zu erheben. Verhindert wurde das von dem Prinzen, der, angelockt von dem Lärm, aus dem Wald herbeischaukelte. Er steckte schon in der Zurückverwandlung, hinter seinen Ohren spross ein Büschel menschlicher Haare und eine Kralle war bereits durch einen Fußnagel ersetzt. Die Kraft eines Bären hatte er aber noch immer. Mit einem einzigen Schlag streckte er mich nieder. Ich verlor das Bewusstsein. Als ich wieder erwachte, taten zuerst nur meine Ohren Dienst. Weder konnte ich mich bewegen, noch die Augen öffnen.
„Ich bin eines Königs Sohn“, hörte ich die Stimme des Prinzen. „Der Zwerg, der mein Gold und die Edelsteinsammlung meines Großvaters gestohlen hat, verbannte mich als Bär in den Wald. Doch jetzt ist der Quälgeist tot, und ich bekomme meine Gestalt zurück.“
„Oh ja, wir sehen es“, sagte Rosenrot.
„Ihr werdet ein stattlicher Jüngling“, kicherte Schneeweißchen.
Ich vernahm, wie sich die Drei schäkernd entfernten. Wie so etwas endet, weiß man ja. Wahrscheinlich hat eine von beiden den Prinzen geheiratet und die andere bekam seinen Bruder ab.

Mich ficht das nicht mehr an. Ich fröne auf einer warmen Insel einem geruhsamen Lebensabend. Nur dauert mich, dass ich meine Weisheit verlor, bevor ich sie an junge Zwerge weitergeben konnte, wie es Tradition ist. Aber den Nachwuchs hätte ich erst einmal finden müssen. Mir scheint, es gibt immer weniger von uns. Persönlich kenne ich nur einen weiteren meiner Art. Der unterrichtet im Nachbarkönigreich des Prinzen, und ich bin seit Monaten ohne Nachricht von ihm. Vielleicht verlor auch er seinen Bart. Vielleicht lebt auch er im Exil.
Nun denn, so sei es. Bei Hofe schätzt man uns nicht. Wenn das so weitergeht, werden wir bald nur noch eine Rasse kleiner Männer sein, reich aber bartlos. Dumme Thronfolger dagegen wird es immer geben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die jemals aussterben.

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